Fahrzeugaufbereiter – ein Traumjob mit Folgen

Im Okt. 1994 habe ich einmal als Fahrzeugpfleger in einer Aufbereitungsfirma begonnen, die für eine grosse Autohauskette gearbeitet hat. Dort war es damals so, das wir ein geringes Basisgehalt erhalten haben, im Grunde genommen aber unseren Tagessatz an Autos hatten, die wir erfüllen mussten. Sonst hat man weniger verdient. Da dieser Satz immer weiter angehoben wurde, verlies ich die Firma zumal der Geschäftsleitung irgendwann auch Quantität vor Qualität ging. So fing ich dann in meiner Heimat bei einem SEAT-Autohaus an, welches 3 Monate später aber Konkurs ging. Also wieder wechseln. So arbeitete ich schliesslich in mehreren Autohäusern mit verschiedenen Materialien (CH-21, AutoBodyMagic, Sonax, Würth, Makra) und bildete mich in  Seminaren und Schulungen weiter.

Heute, gut 24 Jahre später stelle ich mir mit 45 Jahren die Frage, ob mich dieser Beruf wirklich noch so erfüllt. Es ist kein schlechter Job, nein. Wenn man bereit ist, Qualität in möglichst kurzer Zeit zu schaffen. Das Gehalt reisst dabei jetzt auch keine Bäume aus. Und die Vorher-Nachher-Sichtweise hat mich immer in dem Job gehalten, weil ich es toll finde was man aus einem Auto machen kann.

Allerdings wandelt sich dieser Job aus meiner Sichtweise gerade zum Negativen. Jedenfalls wenn man in einem Autohaus angestellt ist. Heutzutage ist der Aufbereiter eigentlich zusätzlich noch eine Hilfskraft die vieles andere mit abdecken muss, wie z.B. Reifenmanagement, Hausmeistertätigkeiten oder Kunden fahren. Das liest man heute fast immer in den Jobangeboten. Den reinen Fahrzeugaufbereiter gibt es somit gar nicht mehr in den Autohäusern. Das ist sehr traurig! 😦 Denn auf Dauer macht es uns kaputt, da der Druck immer höher wird! Ständig wirst Du weg geholt, musst andere Dinge erledigen, obwohl Du gerade eigentlich mit deiner Aufbereitung beschäftigt bist. Trotzdem soll am Ende aber auch noch Qualität bei Dir herausgekommen, in einer angemessenen Zeit!! Wenn Du dann mal wieder zurückkehrst zu deiner eigentlichen Arbeit, überlegst Du erstmal wo Du stehen geblieben warst. „Was war doch gleich nochmal, achja Qualität muss ja rauskommen!“

Eine qualitative Fahrzeugaufbereitung lässt solche Spässchen, das man ständig weg geholt wird eigentlich gar nicht zu!! Denn wenn man alle Schritte ordnungsgemäss und qualitativ durchführen will, vergehen schon mind. 4 – 5 Stunden!!!

Ich mache das schon über längere Zeit so mit und stelle jetzt bereits gesundheitliche Einschränkungen an mir fest. Beim letzten Hausarztbesuch hat dieser auch eine Vermutung geäussert, die mir so gar nicht gefallen hat!

„Psychovegetatives Erschöpfungssyndrom“, oder im Volksmund auch BurnOut genannt! Ich werde jetzt erstmal genauer untersucht, um zu sehen was wirklich los ist. Für mich wäre es ein Untergang, glaube aber selbst nicht daran. Ich hatte meinem Arzt gegenüber geäussert, das ich mich schlapp fühle und ständig müde bin. Auch ein 2,5 wöchiger Urlaub brachte nicht die erwartete Erholung. Zudem habe ich bereits Bluthochdruck. In letzter Zeit waren auch Probleme mit Magen und Darm vorhanden und meine Rückenprobleme (BWS, Skoliose) bekommen Orthopäde und Physiotherapeut auch nicht richtig in den Griff.

Würde ich heute noch einmal vor der Berufswahl stehen, ich würde es anders machen. Doch welche Alternativen gibt es jetzt für mich?? Die Aufbereitung ansich fasziniert mich immer noch und ich würde liebend gern mein Wissen weitergeben. Vielleicht als Ausbilder oder Praxisanwender. Aber ich denke, da kommt man schwer rein.

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